Wat Sie mir dann präsentierte, hat mir die Pantoffeln vonne Quanten geschossen.
Worum et genau geht, sach ich Euch noch.
Et is ja so, dat dat mit dem sozialen Gleichgewicht in unsre Stadt noch nie so richtig geklappt hat. Ihr wisst schon, Nord-Süd-Gefälle und Hochkultur gegen Kultur des kleinen Mannes.
Hömma, ich bin nun wirklich nen friedlich Typ, abber so langsam kann ich die Wut der Rot-Weissen Fußballfans verstehen. Denen geht et nämlich genauso wie mir. Haben übber die Jahre friedlich ihre Anliegen veröffentlicht und für ihre Sache gekämpft und hinter de Kulissen spielen so ganz feine Herren nen ganz anderet Spiel.
Ich mein, dat se dem Bürgermeister gez auffe Pelle gerückt sind und vor seinem Privathaus nen bissken friedliche Bambule gemacht haben , dat geht nich, abber sach ma ehrlich: „Wer nich hören will, muss fühlen“, so hat et schon meine Omma gesacht. Und wat willse machen, wenn Dein Gegenüber Deine Worte einfach nich ernst nimmt? Da wirse quasi zum Pazifizten mit schlagenden Argumenten, indem Du einfach ma richtich laut wirs.
„Wir fördern den Rohstoff der Zukunft-Kultur“. So wirbt die Sparkasse. „Jau, wir auch“, so sagen die Rot-Weissen. Und ich sage dat auch:
ICH FÖRDERE KULTUR. So, und gez kommen wer zum Skandal: Seit 3 Jahren renne ich durch die Kulturmetropole Essen und präsentiere meinen Kulturbeutel. Den habe ich erfunden, um allen die Chance zu geben, ihre Kultur sichtbar zu machen, egal ob Ballet odder Fußball.
Und da ich nun ma zu den ärmeren Schluckern gehöre, brauch’ ich natürlich Unterstützung. Wat hab’ ich gemacht? Hab’ nen Vorschlag an die 2010 GmbH geschickt und war sogar bei denen inne heiligen Hallen und hab’ dem Kulturhäuptling Scheytt einen Beutel geschenkt. Hat ihm sichtlich Freude bereitet. Fand’ er ne gute Idee, son durchsichtigen Kulturbeutel, wo jeder seine Kultur sichtbar machen kann. Ich hatte zu der Zeit immer ´nen rot-weisset Bälleken drin, als Symbol für die Fußballkultur in unsre Heimatstadt. Odder auch ma ne Taubenfeder odder ne Karte vonne Philharmonie.
Und ich hab’ dem gesacht, dat ich seit Jahren für ihn mitarbeite, indem ich im Theater „Kultur für Alle“ mache und dat völlich ohne Knete. Wirklich, keinen Pfennich hab’ ich verdient. Fand’ der Olly augenscheinlich auch ganz doll. Sollte er ja auch, hat doch ´nen sozialdemokratisches Herz. Und wat hat er gemacht? Nix. Also nix für mich. Ist zur BILD gerannt und gez machen se gemeinsamet Dingen. Rufen auf und suchen den schönsten Kulturbeutel. Et gäb’ keinen bis gez. Lüge! Sollen se abber ma machen. Abber dat se mich so völlich umgehen, dat is ne Frechheit. Ne bodenlose. Ma ehrlich, am letzten Mittwoch bin ich noch mit meinem Kulturbeutel getingelt und hab’ nen paar Euros für die Fußballkultur in unserer Stadt gesammelt. Dat fanden die Menschen richtich töfte. Nur son Kulturchef, der scheint dat nich zu begreifen.
„Arrogante Ignoranten sind dat“ so sacht die Tamara. Die is kurz davor, son paar Rot-Weisse anzusprechen, um vor dem Tempel der 2010-Kultur nen bissken friedliche Bambule zu machen. Die will nämlich nich, dat dat Projekt von mir stirbt. Dat is nämlich ihre Kultur. Mittwochs kommt se zu mir ins Theater und für dat Wochenende hat se ne Dauerkarte für de Hafenstrasse. Die Tamara bildet sich ihre Meinung nämlich selber. Die lässt sich nich von anderen vorschreiben, wo se sich kulturell unterhalten und weiterbilden lässt. Und dat, wat se mit mir machen, dat hält sie für nen Skandal. Die will echt auffe Straße gehen. Die Solidarität der „Roten Tamara“ habbich. Gez bin ich ma gespannt, wat noch so kommt.
Leute, ich werde Euch auf dem Laufenden halten…
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