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Mittwoch, 10. Februar 2010

04.02.2010 - Onkel Reinhold hat Olli Scheytt eine geschmiert:

eine Stangenknifte mit lecker Fleischwurst oben drauf

Von links nach rechts: Gundolf Senne (PSC team GmbH / TOR ), Wilfried Tullius (TOR), Onkel Reinhold, Prof. Dr. Oliver Scheytt, Susanne Demmer (TOR)



 

 

 

 

 

 

 

 

Audienz beim Kultur-Papst
 
Et is passiert. Et wurde wahr. Er hat mich vorgelassen. Bis inne heiligen Hallen. Quasi direkt vor den Thron. Er, der Vertreter aller Kulturschäfchen unter Gottes Ruhrpotthimmel. Er, der wie der neue Ruhrbischof für alle Menschen da is. Auf alle Fälle, wenn se katholisch sind. Wat der Ruhrbischof mitte Protestanten macht, weiß ich nich. Tut aber auch nix zur Sache.
 
Er, dessen gräulich-güldene Engelslocken nun in aller Welt bekannt sind, denn er hat einen Auftrag: Dat Ruhrgebiet soll unsterblich werden. Er, der die Jungfrau Kulturhauptstadt empfänglich macht. Gänzlich ohne Sex. Er. Er hat mich empfangen: Prof. Dr. Oliver Scheytt.
 
So zog ich also heute Morgen durch die ausgetrocknete ÖPNV-Wüste Essen und besorgte Revier-Manna für den König der Kultur. Angekommen vor seinem Tempel verdunkelte sich der Himmel. Kein Stern, der leuchtete, keine Stern-Brauerei am Horizont, kein Parkplatz!
 
Vor mir: ein Betonschlössken in kartoffelpürree-beige. Mit Teil-Ausblick auf den Stadtpark und die Aushängeschilder Essener Kultur.
Ein Jünger trat aus der heiligen Halle. Sein Blick war semi-mild und er schien zu denken: „Herr, wirf Kaviar auf die Straße, damit der Pöbel ausrutscht!“
Doch Gott ist gerecht. Wir kamen rein. „Macht hoch die Tür“ sangen meine Kumpels, abber dat war gar nich nötich. Man konnte einfach rein stiefeln.
 
Der Blick der Vorzimmer-Lady mutete an, als hätte Sie den Nazarener, den Leibhaftigen oder Luzifer vor sich. Wat son Tigerfelljäckchen für ne Wirkung hat. Hosianna, Tante Anna, wat die sich wohl gedacht haben muss? Vielleicht, dat ich nen Bekloppten bin? Und nen beschmiertet Projekt einreichen will? Sowat wie Atolle auffe Autobahn, wo wir alle beim Breakdance „Glück Auf“ brüllen müssen und mitte Arme wedeln und Luftballons steigen lassen? Abber ich schweife ab…
 
Ich also mit meinem Tross ab in dat Vorzimmer vom 2010-Boss, kurzet Händeschütteln und dann ab in sein Büro. Da saß er dann. Freundlich, sympathisch, mit nem schicken Anzug. Ich habe dann mein Brot mit ihm geteilt. Die Stangenknifte. Natürlich belegt mit Fleischwurst, schräg angeschnitten. Soll ja nich aussehen wie ne Hostie. Ich hab da meine eigene Liturgie. Gebetsmühlenartig predige ich seit Jahren: Kultur und Fleischwurst verbindet!
 
Gnädig hörte er mir und meinem dreiköpfigen (Fuß-)Volk zu. Mal kaute er, mal lächelte er, mal bat er einen Tempeldiener an den Tisch. Einer kam aus einem fernen Land und erzählte von einer Wurst. Lyoner. Ja, dachte ich, gepökeltes Schweinefleisch ist was Feines. Aber et ging ja nich um die Wurst, jedenfalls nich um Lyoner.
Ein anderer Tempeldiener schaute uns nur komisch dauerlachend an und fragte nach Mehlmischungen. Bestimmt hatte die Nette aus dem Vorzimmer ihm vom Einzug der Plage berichtet: „Dat Revier-Armageddon is da. Geh ma gucken…!“
 
Ich schenkte dem Olli noch einen Kulturbeutel und dann haben wer uns geknipst. Dat war et. Nich mehr und nich weniger. Hier machte keiner Wasser zu Wein. Im Gegenteil: Zu Trinken gab et gar nix.
 
So zogen wir Vier also wieder aus ins gelobte Ruhrpott-Real-Land und gingen an eine Theke.  
Dort prangte ein Logo an der Wand. Dat offizielle vonne 2010-GmbH. Dat hing da quasi illegal. Darf man nämlich nich einfach so benutzen. Hat der Oliver uns gesacht. Sonst droht POTTES STRAFE.
 
Wir haben dat Logo dann abgeknibbelt. Für den Olli und den Wirt. Liebe Deinen Nächsten.
 
So war dat also nen echt erfolgreichen Donnerstag und der Olli is echt nett. Auch wenn manch Ungläubiger behauptet: Inne Brunnenstraße sprudelt gar nix, die sollte man umbenennen in „Turm zu Babel-Gasse“.


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